Schwierigkeiten

Erstens ist es schon schwierig, der Aufforderung, näher zu kommen, zu folgen. Das Pflegeheim ist kein Ort, den man freiwillig und gerne betritt. Hier leben meist sehr alte und pflegebedürftige Menschen, die ihr gewohntes Zuhause aufgeben mussten, weil in ihrer vertrauten Umgebung niemand mehr da ist, der sich verantwortlich um sie kümmern könnte. Selbst den Verwandten und Freunden, die auf Besuch kommen, sieht man an, dass sie froh sind, wenn sie das Haus wieder verlassen können. Die Krankenhausseelsorgerin, die auch für das Heim zuständig ist, teilte mir mit, dass jetzt eine eigene Seelsorgerin kommt, denn diese Belastung ist einfach zu viel für sie.

Zweitens ist es noch schwieriger hinzuschauen und der Aufforderung „seht mich“ nachzukommen. Das ist das religionspädagogische Moment, das mir wichtig ist. Denn das „Mehr-Sehen“ ist die Bedingung für die Perspektive, die man braucht, um über das Faktische hinaus ins Weite zu blicken und das zu sehen, was hinter dem Horizont ist.


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