Lernmaterial: Tierwohl & Tierhaltung

Website: Onlinecampus Virtuelle PH
Kurs: Milch
Buch: Lernmaterial: Tierwohl & Tierhaltung
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Datum: Freitag, 24. Mai 2024, 09:44

Beschreibung

Lermaterialien: Tierwohl & Tierhaltung

1. Einleitung

Gesetzliche Bestimmungen legen Mindeststandards fest, wie Rinder in Österreich gehalten werden können– beispielsweise hinsichtlich Bewegungsmöglichkeiten (Auslauf, Weide), Stallklima (Helligkeit, Temperatur, Lärm), Zugang zur Tränke und Fütterung (Gras, Heu, Silage) etc. In der Rinderhaltung sind nach österreichischem Gesetz 90 Tage Auslauf vorgeschrieben. Im Auslauf muss sich die Kuh frei bewegen können, darf also nicht angebunden sein. Eine Ausnahme ermöglicht nur für einige wenige Betriebe die Ganzjahresanbindehaltung, das heißt Bauern dürfen die Kühe unter Umständen das ganze Jahr angebunden halten.

Bist du neugierig geworden, wie es in den unterschiedlichen Ställen aussieht und was die Bauern alles für Tierwohl und Tiergesundheit unternehmen? In diesem Video nehmen dich einige Bauern mit zu sich in den Stall und auf die Weide:

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2. Haltungsformen

Kombinationshaltung

Werden Rinder abwechselnd im Stall in Anbindehaltung und auf der Weide, einer Alm und/oder im Auslauf gehalten, spricht man von der “Kombinationshaltung”.

Quelle: Land schafft Leben, CC BY-ND 4.0

Laufstallhaltung

Im Laufstall können sich die Milchkühe frei zwischen verschiedenen Bereichen bewegen. Die Kühe nutzen denselben Raum, können sich also gegenseitig berühren und ihr Sozialverhalten ausleben. Die einen Bauern und Bäuerinnen halten die Kühe das ganze Jahr über im Stall, andere ermöglichen einen direkten Zugang zum Auslauf und wieder andere bringen die Kühe zeitweise auf die Weide. Möglich ist auch ein befestigter Auslauf. Im Laufstall gibt es unterschiedliche Bereiche zum Liegen, zum Fressen und zum Herumgehen. Zusätzlich gibt es einen Bereich zum Melken sowie eigene Bereiche für Kälber und Kühe, die gerade ein Kalb bekommen. Die Skizze ist ein Beispiel, die Ställe können sehr unterschiedlich aussehen.


Quelle: Land schafft Leben, CC BY-ND 4.0

Ganzjahresanbindehaltung

Die Kühe sind das ganze Jahr über im Stall an ihren Standplätzen angebunden und wechseln diese nicht. Der Standplatz ist zugleich Liege- und Fressplatz. Diese Haltungsform ist gesetzlich verboten und nur durch eine Ausnahmeregelung möglich. Zum Beispiel wenn kein Platz für Auslauf ist. Die Kühe sind im Halsbereich mit einer Kette oder einem Gestänge an ihrem Standplatz fixiert. Vorne bekommt die Kuh das Futter, hinten entfernt der Bauer oder die Bäuerin den Mist. Die Kühe liegen und stehen auf Stroh. Gemolken werden die Kühe mit einer Melkmaschine an ihrem Standplatz. Kälber dürfen nicht angebunden sein und haben ihren eigenen Bereich. Die Skizze ist ein Beispiel, die Ställe können sehr unterschiedlich aussehen.

Quelle: Land schafft Leben, CC BY-ND 4.0

Quelle: Land schafft Leben, CC BY-ND 4.0

Weidegang

Sind die Kühe draußen auf der Wiese, stehen sie auf einer Weide. Die Weide befindet sich neben dem Stall oder in der Nähe. Befindet sich die Wiese weiter oben am Berg spricht man von einer Alm. Im Frühling werden die Kühe auf die Alm getrieben, im Herbst wieder ins Tal.

Quelle: Land schafft Leben, CC BY-ND 4.0

3. Spaltenboden

Quelle: Land schafft Leben, CC BY-ND 4.0 Artgerechte Tierhaltung und eine gesunde Ernährung der Milchkühe sind ausschlaggebend für eine gute Qualität der Milch. Rinder mögen helle Gebäude, Frischluft jedoch keine Zugluft und keinen Lärm. Die Beschaffenheit des Stallbodens soll so gestaltet sein, dass sich die Rinder möglichst wohlfühlen, sich nicht verletzen und dass sie gesund bleiben. Spaltenböden gibt es, damit die Ausscheidungen der Rinder durch die Spalten fallen und gleich gesammelt werden.

“Geht’s der Kuh nicht gut, geht’s dem Bauern auch nicht gut”

In der modernen Landwirtschaft versucht man diese Faktoren ideal zu gestalten, um zum Wohlbefinden der Milchkühe möglichst gut beizutragen. Will ein Bauer oder eine Bäuerin gesunde Kühe, müssen sie immer wissen, wie es ihren Kühen geht. Die Beobachtung der Kühe ist entscheidend, um frühzeitig gesundheitliche Probleme und das Brunstverhalten erkennen zu können.

4. Wieviel Bewegung braucht eine Kuh?

Können Milchkühe eigentlich laufen? Und wie sieht’s mit springen aus? Sieh dir das folgende Video an und mach dir selbst ein Bild davon, wie viel Freude Kühe haben, wenn sie im Frühjahr zum ersten mal wieder auf die Weide dürfen.

Experten haben herausgefunden, dass sich regelmäßige Bewegung durch Zugang zu Weide oder Freigelände sehr positiv auf die Gesundheit von Kühen und das Verhalten der Kühe in der Herde auswirkt. Kühe sind sogar bereit relativ hohe Kosten in Kauf zu nehmen, um auf die Weide zu gelangen. Wie gerne Milchkühe auf die Weide gehen, hängt natürlich auch vom Wetter ab. Auch Kühe gehen bei Regen nicht so gerne nach draußen. 

Wissenschaftler wollten herausfinden, wie motiviert Milchkühe wirklich sind nach draußen auf die Weide zu gehen. Deshalb haben sie eine wissenschaftliche Untersuchung gemacht. Dabei prüften sie, ob die Entfernung zwischen Stall und Weide beeinflusst, wie oft die Kühe auf die Weide gehen. Dabei stellten sie fest, dass Kühe nachts weitere Distanzen auf sich nahmen um auf die Weide zu gelangen als untertags. Der Zugang zur Weide ist Milchkühen in der Nacht also wichtiger als am Tag. 

In einem anderen wissenschaftlichen Versuch mussten Milchkühe ein sehr schweres Tor öffnen um auf die Weide zu gelangen. Die Wissenschaftler fragten sich, ob die Tiere gleich häufig auf die Weide gingen als ohne Tor. Hier zeigte sich, dass Kühe sehr motiviert sind ins Freie/auf die Weide zu kommen und durchaus bereit sind dafür zu arbeiten. Auch hier waren die Kühe abends motivierter hinaus zu gehen als morgens.

5. Enthornung

Quelle: Land schafft Leben, CC BY-ND 4.0

Rinder kommen ohne Hörner auf die Welt. Die Hörner bilden sich erst nach und nach aus, wenn ein Kalb heranwächst. Weil sie eine Gefahr für Menschen und andere Tiere sein können, entfernen viele Bauern und Bäuerinnen den Kälbern die Hörner oder lassen sie von einem Tierarzt entfernen. Dabei wird jene Stelle, an der später das Horn wachsen würde, mit einem Brennstab ausgebrannt. Das wäre für das Kalb sehr schmerzhaft. Daher ist seit dem Jahr 2017 eine Betäubung ausnahmslos vorgeschrieben. Die so genannte “Enthornung” ist der Grund, warum man heutzutage nur mehr wenige Milchkühe mit Hörnern sieht.

Das folgende Video zeigt, wie Kälber enthornt werden und du erfährst mehr darüber, warum der Landwirt und Landwirtin dies machen:

Auch biologische Betriebe dürfen in Österreich aus Sicherheitsgründen ihre Kälber enthornen. Sie müssen die Tiere dabei jedenfalls wirksam betäuben. Viele Bäuerinnen und Bauern würden auf die Enthornung der Kälber gerne verzichten. Das Risiko für die Tiere ist mit Hörnern aber meist zu groß. Sie würden manchmal “miteinander raufen”. Kühe mit Hörnern brauchen im Stall mehr Platz und Ausweichmöglichkeiten, um sich nicht gegenseitig zu gefährden. Dadurch entstehen höhere Kosten, denn der Landwirt bzw. die Landwirtin müssten entweder weniger Kühe in ihrem Stall halten oder den Stall umbauen/vergrößern.

6. Tiergesundheit

Quelle: Land schafft Leben, CC BY-ND 4.0 Kühe dürfen nur dann Antibiotika bekommen, wenn sie krank sind. Gesunden Kühen vorbeugend Antibiotika zu geben ist verboten. Weil Medikamentenrückstände in die Milch gelangen können, wird die Milch von behandelten Kühen nicht verkauft. Der Tierarzt behandelt kranke Tiere und notiert jede medizinische Behandlung.